| Kleintierpraxis Dr. Ellen Tietz, Waldkirch Rudolf-Blessing-Str. 2 79183 Waldkirch Tel.: 07681 / 494936 |
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Aufzucht von Jungvögeln 1. Richtige Hilfeleistung / Hilfsbedürftigkeit feststellen Die Entscheidung, ein Jungtier aufzunehmen, ist schwierig, denn die Meinungen der beteiligten Personen gehen sehr oft weit auseinander. Ein aufgefundenes Jungtier muss nicht zwangsläufig verlassen sein. Es kommt sehr auf den Entwicklungszustand des Tieres und die genauen Fundumstände an. So verlassen viele Vogelarten bereits das Nest, bevor sie fliegen und selbstständig Nahrung aufnehmen können. Sie haben ein mehr oder weniger entwickeltes Kleingefieder und unvollständige Schwung- und Steuerfedern, stehen aber mit den Altvögeln in Kontakt und werden von Ihnen auch versorgt. Junge Vögel sind, wenn Sie stehen, klettern oder hüpfen können und befiedert sind, nicht mitzunehmen! Sollten die Tiere an ungeeigneten Plätzen, wie Straßen oder Kellerschächten aufgefunden werden, kann man sie über geringe Entfernungen in einen Garten oder eine Hecke versetzen. Von Menschenhand berührte Vögel werden ohne Probleme von den Eltern wieder angenommen! Eine gewisse Berechtigung sich eines Jungtieres anzunehmen besteht, wenn das Nest oder der Bau zerstört ist, es unterkühlt oder abgemagert ist oder wenn nach einigen Stunden Beobachtung keine Hilfe durch die Eltern kommt. Die Aufzucht von Jungtieren braucht neben Platz auch viel Zeit und die nötigen Kenntnisse. Informieren sie sich. 2. Tierartenbestimmung Zu der richtigen Pflege gehört die korrekte Bestimmung der Art. So ist wichtig zu unterscheiden, ob man ein Jungtier der Gruppe der Körnerfresser oder der Insektenfresser aufgenommen hat. Da sich die Ernährungs- und Unterbringungsbedürfnisse bei verwandten Arten nicht grundsätzlich unterscheiden, können sie in den ersten Tagen nicht viel falsch machen. Es bleibt also genug Zeit für die richtige Bestimmung. -> Bei Insektenfressern ist der Schnabel lang und dünn, bei Körnerfressern dick und als Kegelschnabel ausgebildet. ![]() 3. Unterbringung Die handelsüblichen Vogelkäfige sind geeignet, besser sind aber Boxen, die auf drei Seiten geschlossen sind. Dadurch bleiben die Tiere ruhiger. Die Gitterstäbe sollten nur senkrecht verlaufen, weil so das Risiko von Schnabel- und Gefiederschäden verringert wird. Einige Äste, die auf den Boden gelegt werden, helfen auch schwachen Patienten, eine normale Sitzhaltung einzunehmen. Futterfesten Tieren kann man, je nach Art und Alter, auch eine kleine bis große Voliere zur Verfügung stellen, damit sie Ihre Flugmuskulatur trainieren können. Versteckmöglichkeiten und ein ausreichend großer Flugraum müssen vorhanden sein. Jungvögel benötigen einen Nestersatz. Geeignet sind kleine Schachteln, Schüsseln oder ein Blumentopf. Nestmaterial ist Heu oder Stroh, für größere Nesthocker auch feines Gezweig. Wollfäden und Holzwolle sind wegen der Gefahr des Strangulierens nicht geeignet. 4. Fütterung Im Zoofachhandel gibt es für die Gruppe der Körner- sowie der Insektenfresser fertige Futtermischungen, welche auch Verwendung finden sollten. Sie werden mit Magerquark und geriebenen Obst angefeuchtet und erdfeucht (fein krümelig) in kleinen Portionen, mehrmals täglich gereicht. Die Futtermischungen säuern sehr leicht, so dass sie je nach Außentemperatur nach einigen Stunden ausgetauscht werden müssen. Auch von Körnerfressern werden Mehlwürmer gerne aufgenommen. Zusätzlich bietet man Ihnen Grünfutter und Obst an, außerdem müssen sie Gelegenheit haben, feinen Sand oder Steinchen aufzunehmen, um die Körnernahrung im Kropf zu zerreiben. Geheimrezept: Magerquark, zerriebener Zwieback, rohes Schabefleisch, gekochtes Eigelb, zerquetschte Beeren, geriebene Karotten und Äpfel, Vitamin- und Mineralstoffe. Insekten oder Mehlwürmer können darunter gemischt werden. Für Körnerfresser zunehmend fein geschnittenes Grünzeug, milchreife Grassamen, Sämereien und Kanarienaufzuchtfutter, Haferflocken und Nüsse dazumischen. Als Alleinfutter haben sich auch eingeweichte Beo-Perlen bewährt. Für Schwalben viel Insekten, Mehlwürmer, Weichfutter und gekochtes Ei, Schabefleisch. Manche Finkenvögel (Hänfling, Girlitz, Grünfink) werden fast rein vegetarisch ernährt. Man versucht es mit gequollenen, gekochten Haferflocken, feinen gequollenen Samen (Waldvogelfutter), hartgekochtem Eigelb, angefeuchtetem Zwieback und käuflichem Weichfutter. Das Futter wird den Vögeln, wenn sie sperren, weit in den Rachen gesteckt. Sie sollten häufig, aber pro Mahlzeit nur wenig gefüttert werden. Die Tiere müssen so hungrig sein, daß sie beim Auftreten auslösender Reize sofort sperren. Mann sollte von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang ca. halbstündlich füttern. Die Abstände sind umso geringer, je kleiner der Vogel ist. Ältere Findlinge kennen Ihre Eltern und sperren in fremder Umgebung zunächst nicht. Diesen Tieren muß das Futter eingegeben werden. Gleiches gilt für viele Mauersegler, die manchmal überhaupt nicht zu einer freiwilligen Futteraufnahme bewegt werden können und bis zur Freilassung gestopft werden müssen. Quelle: Zooschule Zoo Karlsruhe Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. |
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